Bald wird es in den Altbundesländern nur noch zwölf Schuljahre geben. Über einen elterlichen Aufschrei und was die Erfahrenen darüber denken.
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ltern und Schüler gehen auf die Barrikaden. Schlagwort ist dabei „G8“ – 8 Jahre Gymnasium. Statt der 13 Jahre, die ein Abiturient in den Altbundesländern bis zum Erlangen der Hochschulreife die Schulbank drücken musste, sollen es künftig nur noch zwölf sein. Die Eltern befürchten, dass ihre Kinder dadurch unter erhöhtem Leistungsdruck leiden würden und ihre Freizeit so stark beschnitten wäre, dass keine Möglichkeit für den Besuch von Arbeits- oder Sportgemeinschaften mehr bliebe. Auch die betroffenen Schüler monieren gegen diese Neuerung. Bereits das PISA-Debakel hätte die katastrophale Bildungspolitik der BRD offenbart, dem nun noch die Krone aufgesetzt würde, so heißt es.
In Sachsen versteht man dieses sinnlose Geschrei nicht. Hier hatte es nie einen Zweifel daran gegeben, dass zwölf Jahre Schule genug seien. Die Ergebnisse von PISA haben zudem den Beweis erbracht. Sächsische Schüler schnitten besser ab, als viele der G9-Länder. Das sind klare Fakten, die eindeutig für sich sprechen. Doch wie sehen dies die betoffenen Schüler selbst?
Stand: 2004 / Karte: g8-in-bayern.de
Eine von WOOLING.NET durchgeführte Umfrage zur Problematik, an der sich 48 Schüler der Jahrgangsstufe 11 und 12 eines sächsischen Gymnasiums beteiligt haben, sollte Aufschluss über die Berechtigung einiger Streitfragen geben.
Nur zwei der Befragten sprachen sich für eine 13-jährige Schulzeit bis zum Abitur aus, während alle anderen 12 Jahre für völlig ausreichend halten. Bei durchschnittlich 7 Stunden Unterricht am Tag und 1 bis 3 Stunden Hausaufgaben bzw. Vorbereitung auf den Unterricht fühlten sich viele manchmal schon überfordert. Trotz des straffen Schulpensums bleibe aber etwas Freizeit, auch wenn man sich mehr wünschen würde, um seinen Hobbys nachzugehen, Sport zu treiben, etwas mit Freunden zu unternehmen oder einfach nur um zu relaxen. Angesprochen auf das Problem, was man am Schulsystem ändern sollte, waren die meisten der Meinung, eine zentrale Bildungspolitik als Grundlage für einheitliche Anforderungen und somit die gleichen Bedingungen in allen Bundesländern sei wichtig. Keiner dürfe benachteiligt werden.
Außerdem plädierte man für praxisbezogeneren sowie fachübergreifenden Unterricht. Dabei sollte man mehr Möglichkeiten haben, entsprechend der individuellen Interessen und im Hinblick auf die künftige berufliche Orientierung sich fachspezifische Fähigkeiten und Wissen anzueignen. Dafür sollte man Nebenfächer, die einen nicht weiterbringen, abwählen dürfen. Auch Lehrer und deren Engagement für die Schüler wurden vielfach kritisiert. Aber gibt es möglicherweise nachher an der UNI oder Hochschule Probleme mit dem geforderten Lernpensum zurechtzukommen? In diesem Sinne wurden Studenten und Absolventen befragt.
Die 22-jährige Josephine K. aus Dresden studiert an der Universität Konstanz im 7. Semester Jura, 2007 hat sie ein Auslandsjahr in Schweden absolviert. Sie käme gut mit dem Lehrstoff zurecht. Manchmal würden sie sogar Kommilitonen um Hilfe bitten, wenn sie etwas nicht verstanden hätten. Durch das Studium sei ihr Selbstbewusstsein gestärkt worden. Daniel S. aus Seifhennersdorf, Abiturjahrgang 1998, hat sein Studium der Biotechnologie an der Fachhochschule Mannheim im Mai 2004 erfolgreich abgeschlossen und arbeitet nun an seiner Dissertation.
Einfache Formel.
Die haben einige meiner ehemaligen Mitschüler schon geschafft und sie dürfen sich bereits Doktor nennen., gibt er Auskunft. Lernprobleme an der UNI? Nein, die hätte es nicht gegeben. Klar , von nichts kommt nichts. Manchmal müsste man schon die eine oder andere Nacht dranhängen, um für die anstehende Prüfung optimal vorbereitet zu sein. Aber das müssten schließlich alle. Worauf in der Schule noch mehr Wert gelegt werden sollte, das wären unbedingt anwendungsbereite Fremdsprachenkenntnisse und die Vermittlung eines breiten Allgemeinwissens. Antje T. ist 25 Jahre und bereits Ärztin.
Manchmal sei es schon komisch, wenn sie die Patienten ungläubig anschauen und sich über eine so junge Medizinerin wundern. „Ja, beim Studium bin ich schon manchmal an meine Grenzen gekommen. Aber ich wollte es in der Regelstudienzeit schaffen. Manchmal habe ich mir gewünscht, wieder im Gymnasium zu sitzen, wo alles noch so einfach schien und ich genügend freie Zeit hatte, um mich meinen Hobbys zu widmen.“, gibt sie Auskunft. Diese drei Beispiele machen deutlich, dass man mit nur 12 Schuljahren in keiner Weise im späteren Leben oder beim Erklimmen der Karriereleiter benachteiligt ist, was eindeutig für die Reform spricht, die sowieso voll im Trend liegt.
An anderen Ländern, wie Schweden, Finnland, Südkorea, Spanien oder Japan, die auf ausgezeichnete Bildungsergebnisse verwiesen können, und das bei nur 12 Jahren bis zum Abitur, sollte sich Deutschland orientieren. Auch die Klagen der Eltern, dass ihre Kinder von der Schule völlig vereinnahmt würden, ist unbegründet, wenn man die jährliche Unterrichtsstundenzahl in einigen Ländern vergleicht. Hier liegen beispielsweise die deutschen Neuntklässler mit jährlich 897 Unterrichtsstunden ganz am Ende.
In Frankreich dagegen müssen Schüler der selben Altersgruppe 1147, in Italien 1069, in Österreich 1050 oder in Südkorea 1020 Stunden im Jahr lernend in der Schule verbringen. Statt um das Turbo-Abi weiter zu streiten, sollte man sich eher Gedanken machen, wie es ohne Benachteiligung der Schüler in allen deutschen Bundesländern flächendeckend so schnell wie möglich durchgesetzt werden kann.
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