Wir haben schon öfters über RTL geschrieben. Der Sender macht's aber auch spannend. Jetzt erzieht er zum zweiten Mal Teenager im Wilden Westen.
S
ie saufen, kiffen, dealen und nennen die eigene Mutter eine „alte Fotze". Dafür schickt man sie in die Wüste, über den großen Teich, nach Amerika ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Wovon manch andere in ihrem Alter nur träumen können, das haben sie erreicht. Dank RTL werden sie berühmt und bekommen als Fernsehstars sogar Fanpost.
„Teenager außer Kontrolle - Letzter Ausweg wilder Westen". Weniger umstritten als das Erziehungskonzept sind dabei die Einschaltquoten, welche jene Doku-Soap erreicht, die nunmehr bereits in der zweiten Staffel jeden Mittwochabend vom Kölner Pädagogendienstleistungsunternehmen RTL ausgestrahlt wird. Ohne Zweifel - durchschnittlich vier Millionen Zuschauer, die vor der Flimmerkiste „Erfolge und Rückschläge" der jungen Kriminellen auf dem Weg zur Selbstfindung und Besserung verfolgen, sprechen für sich.
Während RTL im Werbefeldzug auf die Natur und die Ferne zum heimatlichen Alltag verweist, erinnern kritische Stimmen dagegen unter anderem an die Kosten, die dieses Projekt verursacht. Dafür ließen sich locker einige Sozialpädagogen mehr einstellen, die Jugendlichen helfen könnten, noch bevor sie völlig vom rechten Weg abgeglitten seien, so die Argumentation. Doch betrachtet man den finanziellen Aufwand und Nutzen, so können die Erziehungsfernsehenmacher von RTL getrost auf die Schulter klopfen, denn diese Sendung bringt mehr Gewinn ein als manch Blockbuster-Film. Zudem kann man dabei auch noch in Lobliedern baden, das wieder ins Lot zu bringen, was Eltern, Lehrer und Sozialpädagogen durch ihr Unvermögen verbockt haben.
Chef-Cowbody Annegret Noble will verzogene Teenies wieder gerade biegen.
Das Wüstencamp im Wilden Westen von Oregon gilt in diesem Sinne als letzter Ausweg für acht deutsche Teenager, die auf ein umfangreiches Strafregister verweisen können. Unter Leitung der auf den ersten Blick eher blass erscheinenden Chef-Erzieherin Annegret Noble werden sie einer ungewöhnlichen Therapie in der freien Natur unterzogen, weitab von Zuhause, fernab der Zivilisation.Isolation von der Gesellschaft soll die Gestrauchelten wieder in dieselbe integrieren. Erinnert irgendwie an Louis Sachers „Löcher" („Holes"), was auch hierzulande im Englischunterricht Lektüre ist. Aber es scheint zu funktionieren, wenigstens solange das Fernsehen die Finger oder besser Kamera im Spiel hat. Doch was kommt danach? Haben die Geläuterten die Kraft, sich denen fernzuhalten, die sie einstmals mit in den Abgrund gezogen haben? Können sie Alkohol und Drogen auf Dauer entsagen? Sind sie überhaupt in der Lage, allein, auf eigenen Füßen den Weg weiterzugehen, der ihnen auch unter Führung erfahrener Pädagogen äußerst schwer fiel? Geholfen wäre den Betroffenen erst dann, wenn das medienwirksame Hilfsprojekt keine Eintagsfliege wäre, sondern in einem langfristigen Förderprogramm für gefährdete oder bereits straffällig gewordene Jugendliche weitergeführt würde.
Diesbezüglich ein wenig finanzielle Unterstützung dürfte dem Privatsender nicht schwer fallen, schließlich haben Sendungen über Problemkinder, denen Kollegin Supernanny wieder auf die Sprünge helfen soll, die Kassen klingeln lassen. Käme nun zur Abwechslung noch diese positive Publicity hinzu, würde es dem Unternehmen keineswegs schaden, jedenfalls nicht im Hinblick auf das öffentliche Ansehen. Fotos: Photocase - Shue, RTL Screenshots (aus Staffel 1): WOOLING.NET
Meinung sagen:
Achtung: Bevor du kommentierst, erinnere dich bitte noch einmal an deine gute Erziehung. Hab keine Angst, wenn dein Beitrag sinnentleert ist. Das kommt vor. Aber sei kreativ!
Da der Microsoft Internet Explorer nicht den weltweiten Web-Standards entspricht, wird WOOLING.NET im Internet Explorer bis Version 6 noch fehlerhaft dargestellt. Alle Fehler konnten wir noch nicht beheben. Das betrifft vor allem Textausrichtung, Linien und Abstände. Um WOOLING.NET in voller Schönheit genießen zu können, legen wir euch ans Herz, den Internet Explorer zu aktualisieren oder am besten gleich kostenlos zu Mozilla Firefox oder Safari für Windows umzusteigen. Mehr zum Thema IE lesen »