Einen fetter Zinken, ein sanft überdimensioniertes Gesäß und poröse Oberschenkel bekommt man heute ganz gut gerichtet. Aber wir sind noch nicht hübsch genug, es kommt noch besser.
D
ie Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper hat Hochkonjunktur, wie jährlich in Deutschland etwa 400 000 Liftings, Fettabsaugungen und andere entsprechende Maßnahmen deutlich machen. Viele von uns sind auf der ständigen Jagd nach einem Schönheitsideal, was es eigentlich gar nicht gibt, aber dennoch zum Maßstab dessen wird bzw. geworden ist, was wir gern hätten.
Mensch.
Die Mädchen, die sich einer sogenannten Schönheits-OP unterziehen, werden immer jünger - etwa ein Viertel der Klientel ist zwischen 15 und 23 Jahre alt. Aber auch die Zahl der Jungen, die ihr Äußeres optimieren wollen, nimmt zu - schon jeder Fünfte, der die Restauration per Skalpell sucht, ist männlich. Studien besagen, dass der Trend auch in den kommenden Jahren anhalten werde.
Kosmetische Chirurgie ist Alltag geworden, seit ein paar Jahren sogar schon. Doch das ist erst der Anfang einer Entwicklung auf dem Weg, wo der Mensch seinen Körper neu erschafft. Ist es möglich, dass der Mensch sich künftig mit Chemie und Gentechnik die totale Freiheit der Selbstschöpfung nimmt? Davon sind jedenfalls die sogenannten Transhumanisten überzeugt. Beispielsweise der amerikanische Philosoph Max Moore. Er ist der Ansicht, dass es in der Verantwortung des Menschen selbst liege zu entscheiden, wer er sein wolle, und welche technischen Mittel er einsetzen möchte, um so zu werden, wie er es sich vorstellt. Zielt ist der digital perfektionierte MenschAls Ziel sieht er den transhumanen, biologisch und digital perfektionierten Menschen. Wie er sich das vorstellt? Ganz einfach: altersschwache Organe werden gegen selbst gezüchtete ausgetauscht und Muskeln durch Nanofasern ersetzt; eine Synthese von Mensch und seiner selbst erfundenen Technik. Cyberaugen mit Infrarotrezeptoren, Schalldämpfer für empfindliche Ohren, Federn in den Kniegelenken, eine schützende Echsenhaut und und und ... Wer die Wahl hat, hat die Qual, dann, wenn wir unsere wöchentliche Körper-Tuning-Einkaufsliste zusammen stellen.
Neurochip (4.24 min)
Völlig verrückt wird es jedoch, wenn man sich Implantate ins Gehirn einsetzen lassen kann, die einen mit dem Computer verbinden. Der britische Professor für Kybernetik Kevin Warwick prophezeite auf der „2nd Europian Futurists Conference" in Luzern 2006, dass man auf diesem Wege nicht nur ein Super-Gedächtnis bekäme, sondern damit auch Ultraschall oder Infrarot wahrnehmen könne. Auch gegenseitiges Gedankenlesen werde bald Wirklichkeit. Seit 1998 unternimmt der Visionär derartige Selbstversuche und schwört auf diesbezügliche Erfahrungen, bei denen er angeblich die Empfindungen seiner Frau wahrnehmen konnte. Sie hätten dabei so etwas wie eine Art Morsesignale von Gehirn zu Gehirn ausgetauscht. Gedankenlesen durch Neuronenchips
Maschine küsst.
Professor Cyborg, wie man ihn auch gerne nennt, hat viele Gegner. Sie kritisieren, dass er nicht über die gesellschaftlichen Auswirkungen seines digitalen Darwinismus nachdenke. Ethik und Moral blieben dabei gänzlich auf der Strecke. Denn wäre der transhumane Mensch mit Chip im Hirn noch ein Mensch? Wie würden er sich fühlen, dieser Übermensch, diese Intelligenzbestie mit einem Durchschnitts-IQ, der mit einem heutigen von 160 vergleichbar wäre, dieser Mensch ohne Makel mit künstlichen Organen und nachwachsender glatter Haut? Wäre er wunschlos glücklich und somit zufrieden? Ist er überhaupt noch ein Mensch oder nicht schon eine Maschine?
Wir wissen heute noch nicht genau, wo uns die Entwicklung hintreiben wird und ob oder wann diese unheimlichen Visionen Wirklichkeit werden. Aber bei den rasanten Fortschritten in allen Bereichen ist alles möglich und das schneller, als wir es je für möglich gehalten hätten.
Fotos: Photocase - chriskuddl, ollinger, kallejip
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