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Doktorspielchen 2008 E-mail
by Tawan | Woanders | Saturday, 12 July 2008   


Gesundheit wird in Deutschland groß geschrieben. Aber leider nur geschrieben. Und manchmal fragt man sich, warum der Medizin-NC bei Einskommanull liegt.

Doktorspielchen, sehr verwirrend.

W
enn ich an unser Gesundheitssystem denke, werde ich irgendwie krank im Kopf, da fange ich an, ganz eigenartige Texte wie diesen hier zu schreiben und mich nebenbei noch kränker zu lachen. Nicht umsonst sagte mir mal eine einstige Biologielehrerin, unser System sei auf alle Fälle schon das beste - aber nur, so lange man es eben nicht braucht.

Da denke ich einmal an meine Musterung zurück. Also da ging es darum, ob ich körperlich geeignet bin, nach Trillerpfeifen zu tanzen. Herausgegangen aus dem Kreiswehrersatzamt bin ich mit einem Arzttermin, den ich immerhin mal nicht quartalsmäßig bezahlen brauchte, aber der mir doch ein bisschen den Atem raubte. Denn wie soll ich innerhalb eines Monats chronisches Asthma sowie eine ganz gefährliche Bienengiftallergie kriegen, die nach dem Arztbesuch wie durch Zauberhand wieder verschwinden?

Verblüffend. Das Gesundheitssystem.

Um ehrlich zu sein, vor langer Zeit war tatsächlich mal etwas mit meinen Lungen, und dass es in meiner fernen Verwandtschaft sogar diese Allergie gibt, lässt die Idee, das selbst zu haben, schon einmal zu. Dass es sich dabei nur um eine fragwürdige Vermutung handelt, muss für die Herren und Damen ja nun nicht so deutlich werden. Bewiesen haben wollten die es trotzdem. Scheiße.
Lungen checken - aber nur, wenn Zeit istSo bekam ich den Termin bei meiner eigenen Allergologin, die mich bloß nicht mehr kannte und darum meine kuriosen Empfindlichkeiten beweisen sollte. Bei Gelegenheit durften auch meine Lungen gecheckt werden. Aber nur, wenn Zeit ist!

Und schon bei der Aufnahme fand ich Gefallen an unserem Gesundheitssystem, konnte die Schwester doch nicht einmal den Überweisungsschein richtig entziffern. Im Gegenteil, witzige Experimente wurden wie am Band durchgeführt. Ich durfte ständig den Oberkörper frei machen, dann wurden irgendwelche Sensoren auf mich draufgeklebt, ich durfte ne Radtour durchs Zimmer machen, gegen Widerstände in einer Gaskammer atmen, Blut wurde mir übers Ohrläppchen abgezapft, mein Brustkorb geröntgt. Drei Stunden lang war man mit meinem „Asthma" beschäftigt. Und irgendwann durfte ich zur Tante Doktor taumeln, um merkwürdige Fragen zu beantworten. Auf einer umfunktionierten Leuchtreklametafel hing die Innenansicht meiner Lunge. Das Bild war wunderschön, eine wunderschöne strahlend weiße Lunge, weißer als gebleichte Kreide, noch weißer als weiß.  „Sind Sie Raucher?"

Hygiene wird in Deutschland groß geschrieben.

Nun, Asthma konnte nicht bewiesen werden. Mist. Aber immerhin hat man die Karteikarte, die vor langer Zeit für mich angefertigt wurde, wiedergefunden. Dort wurden die erschmetternden Ergebnisse meiner Brustkorbuntersuchung ergänzt. Da dachte ich so im Stehen, dass ich an dieser Stelle ein „Wiedersehen" winseln könne und mir ganz schnell einen Ersatzdienst im Ausland suche. Aber nein, jetzt kommen wir erst einmal zu meinen Allergien, wie man mir mitteilte. „Leider reicht die Zeit nicht mehr aus, umfangreiche Tests durchzuführen. Aber wir haben ja noch die Protokolle von Ihrem letzten Besuch bei uns. Das war 1997, nicht wahr? Die schicken wir dem Kreiswehrersatzamt zu. Sind inzwischen neue Allergien aufgetreten, die ich ergänzen darf?" - „Bienengift!!" Notiert und ausgemustert.
"Wir haben ja noch die Ergebnisse von Ihrem letzten Besuch vor zehn Jahren"Neues Beispiel. Vor ein paar Tagen war ich bei der Blutspende, ausgerechnet zwei Wochen nach meiner Rückkehr aus Südostasien. Der Hämoglobincheckerin fielen bald die Augen aus, als sie mein Geständnis gelesen hatte, ich sei zehn Monate in „von Malaria und Hepatitis A bis Z verseuchten Gebieten" gewesen. „Wie bitte? Myanmar?" - „Ja, aber nur an der Grenze zur Erneuerung meines Visums." Böse Blicke aus beiden Richtungen. „Iran?!" - „Ja, zum Transit, zwei Stunden." - „Na das ist egal, wie lange Sie dort waren, Sie waren dort. Aber das kann doch nicht Ihr Ernst sein, Kambodscha?!" - „Ja, dort habe ich sogar zweimal in einem Kinderkrankenhaus Blut gespendet." Mein Gegenüber war der Ohnmacht nahe. „Das muss notiert werden." Aus dem Arztgespräch wurde ein Polizeiverhör: „Wo waren Sie genau?" - „Siem Reap und Phnom Penh." - „Können Sie mir sagen, wann das war?" - „Oktober und April." Mürrisch wurde aufgezeichnet. „Ich glaube nicht, dass Sie zugelassen werden. Wir wissen ja nicht einmal, wie die hygienischen Zustände dort sind und was für Nadeln benutzt werden." - „Also ich fand es dort sauberer als hier, weil ich dort in einer sterilen Klinik, die von einem Schweizer geführt wird, gespendet habe. Das kann ich ja von Ihrer Schule ja wohl nicht behaupten." Hoppla, jetzt war ich aber unfreundlich.Eigentlich ist Blutspende in Südostasien hygienischer„Aber allein die Tatsache, dass sie länger als ein halbes Jahr in Thailand waren, führt automatisch zur Sperrung. Malaria, wissen Sie?" Komisch. Vor Abflug war ich bei meiner Hausärztin, die mir bestätigt hat, dass es dort kein Malaria gibt und ich überhaupt keine Impfung brauchte. Die Rechnung in Höhe von dreißig Euro kam dann trotzdem. „Da gibt es gefährliche Fliegen, die diese Krankheiten übertragen, Dengue oder die Schlafkrankheit." Dengue wird wie Malaria von Moskitos übertragen, die Tsetse-Fliege überträgt die Schlafkrankheit in Afrika, na da hat die aber gestaunt.

Geholfen hat es alles nichts. Bis zur letzten Ärztin konnte ich mich noch durchkämpfen, die hat mir dann quasi Hausverbot bis zum 10. Dezember 2008 gegeben. „Zu schade", war mein Kommentar hierauf, „da bin ich schon wieder in Thailand."

In eigener Sache: Wir wissen, dass das deutsche Gesundheitssystem eines der besten weltweit ist. Wir wissen aber auch, dass es leider, wie so oft, an der Umsetzung fehlt. Und wir kennen die Pharmaindustrie.



Fotos: Montage - WOOLING.NET; Photocase - table, AllzweckJack

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  Comments (14)
Written by sunny, on 13.07.2008 14:05
Hm ja, das erscheint zwar alles im ersten Moment lächerlich und übertrieben, aber ich denke, in diesem Falle sind die "kleinlichen" Fragereien schon wichtig für die Sicherheit derer, die dann dein Blut bekommen. Manche Viren oder Bakterien sind erst Monate nach der Ansteckung im Blut nachweisbar. Es sind genug Leute bei einer Blutübertragung mit Hepatitis oder Aids angesteckt worden. Da kann man nicht vorsichtig genug sein. Ich finde das auf alle Fälle gut. Ich habe auch schon mal Fremdblut übertragen bekommen und hatte , ehrlich gesagt, ein ziemlich mulmiges Gefühl dabei.
Written by Kerkerian, on 13.07.2008 19:33
Das KWEA als Teil des Gesundheitssystem zu rechnen ist schon ein starkes Stück.
Written by Tawan, on 14.07.2008 16:06
Es geht ja auch um den Lungenarzt, zu dem ich vom KWEA geschickt wurde.  
 
Bevor du hier jeden Artikel zur Sau machst wie gewohnt, überleg dir erst mal nen vernünftigen Angriffspunkt.  
 
Danke.
Written by jo, on 15.07.2008 12:00
hey, sei doch froh, dass er ihn überhauot ließt ;-) und kommentiert. ist ja heutzutage nicht mehr selbstverständlich, wenn man sich die e-mags so anschaut ...
Written by Tawan, on 15.07.2008 12:36
Ja, der liest die aber ne richtig :p
Written by TJ, on 15.07.2008 14:56
ich glaube "richtiges lesen" ist definitionssache. 
ich gebe Jo vollkommen recht und außerdem ist kritik doch zu meist was ganz schönes ... 
man wächst an seinen herausforderungen
Written by Kerkerian, on 15.07.2008 19:22
Die Musterung als Teil des Gesundheitssystem zu bezeichnen ist schon ein starkes Stück.
Written by ToKre, on 15.07.2008 20:28
Ja Kerkerian,  
wir habens ja begriffen ... einmal reicht würd ich denken!
Written by Kerkerian, on 15.07.2008 21:22
Dachte ich auch erst. KWEA und Musterung ist eben nicht das selbe, da hat unser Sonnenschein schon Recht.
Written by Sonnenschein, on 16.07.2008 04:28
schön, dass hier mal kommentiert wird ... dass mal was passiert ... warum bloß immer so inhaltslos? :( 
 
da kann man auch in nen kindergarten gehen ...
Written by jooooo, on 16.07.2008 07:33
Solange da Buchstaben stehen, ist es doch nicht inhaltslos ... vielleicht sinnfrei ... aber at least the "comment textbox" has some content ... inhalte also. Das ist wie ... ähm ... das ist wie mit einem Sack voll schmutziger, am besten radioaktiver, Erde. Du kannst nichts damit anfangen, aber inhaltslos ist der Sack allemal nicht.
Written by sunny, on 16.07.2008 11:52
Gratulation! Inzwischen ist das wohl hier der meist kommentierteste Artikel... 
Was jeder für sich dem Text entnimmt, sollte ihm selbst überlassen sein. Kerkerian ist eben in diesem Sinne ein Widersacher, der Dinge kritisch hinterfragt, auch wenn es manchmal so scheint, als würde er nur alles runtermachen wollen. Ich find´s gut, dass er die Artikel liest und kommentiert. Das ist auf alle Fälle ein Zeichen von Interesse. Weniger gut find ich, dass sich der Verfasser meist persönlich angegriffen fühlt. Er sollte da eigentlich drüber stehen und überlegen, warum sein Artikel überhaupt angreifbar ist. Dazu kann er in sachlichem Ton Stellung beziehen und Schlüsse für sein weiteres Arbeiten ziehen. In diesem Sinne: "Dran bleiben, Wooling lesen, Artikel kommentieren...
Written by jooooo, on 16.07.2008 12:11
»warum sein Artikel überhaupt angreifbar ist« ... das braucht er sich nicht überlegen. Jeder artikel ist angreifbar. egal welcher, egal wie unangreifbar man ihn wohl verfasst hat.
Written by sunny, on 16.07.2008 13:50
Ist schon richtig, jeder Artikel ist irgendwie angreifbar. Aber der eine eben mehr, der andere weniger, so eben ist auch jene Kritik eher berechtigt als eine an den Haaren herbeigezogene. Ich wollte damit nur sagen, man solle sich nicht immer persönlich angegriffen fühlen, statt dessen nochmal klar seinen Standpunkt erklären. Und außerdem muss nicht jeder die Position des Autors teilen, mache ich auch nicht. Ich finde diese als lächerlich und Krümelkakerei dargestellte Befragung zur Blutspende super wichtig und mir gibt das persönlich auch eine gewisse Sicherheit, wenn auch keine absolute. Tawan war in einer schweizer Klinik spenden. Okay, da auchtet man auf hygienische Standards. Aber es gibt auch ganz andere Krankenhäuser in Kambodscha mit katastrophalen Bedingungen. Wenn man da vielleicht mit einer akuten Blinddarmentzündung eingeliefert wird, kommt man mit ´ner Hepatitis oder noch Schlimmeren wieder raus. Ich find´s auch etwas vermessen, sich über die Befragung und deren Konsequenzen lustig zu machen oder aufzuregen. Aber vielleicht wollte Tawan ja bloß provozieren.
 
 
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