Gesundheit wird in Deutschland groß geschrieben. Aber leider nur geschrieben. Und manchmal fragt man sich, warum der Medizin-NC bei Einskommanull liegt.
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enn ich an unser Gesundheitssystem denke, werde ich irgendwie krank im Kopf, da fange ich an, ganz eigenartige Texte wie diesen hier zu schreiben und mich nebenbei noch kränker zu lachen. Nicht umsonst sagte mir mal eine einstige Biologielehrerin, unser System sei auf alle Fälle schon das beste - aber nur, so lange man es eben nicht braucht.
Da denke ich einmal an meine Musterung zurück. Also da ging es darum, ob ich körperlich geeignet bin, nach Trillerpfeifen zu tanzen. Herausgegangen aus dem Kreiswehrersatzamt bin ich mit einem Arzttermin, den ich immerhin mal nicht quartalsmäßig bezahlen brauchte, aber der mir doch ein bisschen den Atem raubte. Denn wie soll ich innerhalb eines Monats chronisches Asthma sowie eine ganz gefährliche Bienengiftallergie kriegen, die nach dem Arztbesuch wie durch Zauberhand wieder verschwinden?
Um ehrlich zu sein, vor langer Zeit war tatsächlich mal etwas mit meinen Lungen, und dass es in meiner fernen Verwandtschaft sogar diese Allergie gibt, lässt die Idee, das selbst zu haben, schon einmal zu. Dass es sich dabei nur um eine fragwürdige Vermutung handelt, muss für die Herren und Damen ja nun nicht so deutlich werden. Bewiesen haben wollten die es trotzdem. Scheiße. Lungen checken - aber nur, wenn Zeit istSo bekam ich den Termin bei meiner eigenen Allergologin, die mich bloß nicht mehr kannte und darum meine kuriosen Empfindlichkeiten beweisen sollte. Bei Gelegenheit durften auch meine Lungen gecheckt werden. Aber nur, wenn Zeit ist!
Und schon bei der Aufnahme fand ich Gefallen an unserem Gesundheitssystem, konnte die Schwester doch nicht einmal den Überweisungsschein richtig entziffern. Im Gegenteil, witzige Experimente wurden wie am Band durchgeführt. Ich durfte ständig den Oberkörper frei machen, dann wurden irgendwelche Sensoren auf mich draufgeklebt, ich durfte ne Radtour durchs Zimmer machen, gegen Widerstände in einer Gaskammer atmen, Blut wurde mir übers Ohrläppchen abgezapft, mein Brustkorb geröntgt. Drei Stunden lang war man mit meinem „Asthma" beschäftigt. Und irgendwann durfte ich zur Tante Doktor taumeln, um merkwürdige Fragen zu beantworten. Auf einer umfunktionierten Leuchtreklametafel hing die Innenansicht meiner Lunge. Das Bild war wunderschön, eine wunderschöne strahlend weiße Lunge, weißer als gebleichte Kreide, noch weißer als weiß. „Sind Sie Raucher?"
Nun, Asthma konnte nicht bewiesen werden. Mist. Aber immerhin hat man die Karteikarte, die vor langer Zeit für mich angefertigt wurde, wiedergefunden. Dort wurden die erschmetternden Ergebnisse meiner Brustkorbuntersuchung ergänzt. Da dachte ich so im Stehen, dass ich an dieser Stelle ein „Wiedersehen" winseln könne und mir ganz schnell einen Ersatzdienst im Ausland suche. Aber nein, jetzt kommen wir erst einmal zu meinen Allergien, wie man mir mitteilte. „Leider reicht die Zeit nicht mehr aus, umfangreiche Tests durchzuführen. Aber wir haben ja noch die Protokolle von Ihrem letzten Besuch bei uns. Das war 1997, nicht wahr? Die schicken wir dem Kreiswehrersatzamt zu. Sind inzwischen neue Allergien aufgetreten, die ich ergänzen darf?" - „Bienengift!!" Notiert und ausgemustert. "Wir haben ja noch die Ergebnisse von Ihrem letzten Besuch vor zehn Jahren"Neues Beispiel. Vor ein paar Tagen war ich bei der Blutspende, ausgerechnet zwei Wochen nach meiner Rückkehr aus Südostasien. Der Hämoglobincheckerin fielen bald die Augen aus, als sie mein Geständnis gelesen hatte, ich sei zehn Monate in „von Malaria und Hepatitis A bis Z verseuchten Gebieten" gewesen. „Wie bitte? Myanmar?" - „Ja, aber nur an der Grenze zur Erneuerung meines Visums." Böse Blicke aus beiden Richtungen. „Iran?!" - „Ja, zum Transit, zwei Stunden." - „Na das ist egal, wie lange Sie dort waren, Sie waren dort. Aber das kann doch nicht Ihr Ernst sein, Kambodscha?!" - „Ja, dort habe ich sogar zweimal in einem Kinderkrankenhaus Blut gespendet." Mein Gegenüber war der Ohnmacht nahe. „Das muss notiert werden." Aus dem Arztgespräch wurde ein Polizeiverhör: „Wo waren Sie genau?" - „Siem Reap und Phnom Penh." - „Können Sie mir sagen, wann das war?" - „Oktober und April." Mürrisch wurde aufgezeichnet. „Ich glaube nicht, dass Sie zugelassen werden. Wir wissen ja nicht einmal, wie die hygienischen Zustände dort sind und was für Nadeln benutzt werden." - „Also ich fand es dort sauberer als hier, weil ich dort in einer sterilen Klinik, die von einem Schweizer geführt wird, gespendet habe. Das kann ich ja von Ihrer Schule ja wohl nicht behaupten." Hoppla, jetzt war ich aber unfreundlich.Eigentlich ist Blutspende in Südostasien hygienischer„Aber allein die Tatsache, dass sie länger als ein halbes Jahr in Thailand waren, führt automatisch zur Sperrung. Malaria, wissen Sie?" Komisch. Vor Abflug war ich bei meiner Hausärztin, die mir bestätigt hat, dass es dort kein Malaria gibt und ich überhaupt keine Impfung brauchte. Die Rechnung in Höhe von dreißig Euro kam dann trotzdem. „Da gibt es gefährliche Fliegen, die diese Krankheiten übertragen, Dengue oder die Schlafkrankheit." Dengue wird wie Malaria von Moskitos übertragen, die Tsetse-Fliege überträgt die Schlafkrankheit in Afrika, na da hat die aber gestaunt.
Geholfen hat es alles nichts. Bis zur letzten Ärztin konnte ich mich noch durchkämpfen, die hat mir dann quasi Hausverbot bis zum 10. Dezember 2008 gegeben. „Zu schade", war mein Kommentar hierauf, „da bin ich schon wieder in Thailand."
In eigener Sache: Wir wissen, dass das deutsche Gesundheitssystem eines der besten weltweit ist. Wir wissen aber auch, dass es leider, wie so oft, an der Umsetzung fehlt. Und wir kennen die Pharmaindustrie.
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