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Die Stadt der Türmchen und Krönchen E-mail
by AT | Woanders | Wednesday, 23 April 2008   


Prag ist sexy, anders und für Osteuropa ganz schön Westeuropa. Das wissen die Stadt-Macher. Und kassieren.

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P
rag ist ein metaphysisches Irrenhaus. Prag hat keine Realität." So urteilte zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts der Dichter Franz Werfel über seine Heimatstadt, die er auch bald darauf  verließ. Heute hat die Realität von Prag Besitz ergriffen und der Zustrom jener, welche das besondere Flair dieses Ortes erleben wollen, scheint  unvermindert anzuhalten. Vorerst.

Ja, Prag ist schön.
Ja, Prag ist schön.
Nach der Kaiserkrönung Karl VI. im Jahre 1355 schrieb Prag als die „Goldene Stadt" Geschichte. Hatte sie bis dahin bereits durch die Silberförderung wirtschaftliche Macht erlangt, so wurde sie nun zum politischen und kulturellen Mittelpunkt des Heiligen Römischen Reiches. Monumentale Bauten, architektonische Meisterwerke, erzählen noch heute von dieser großartigen Epoche und tragen die Samen der Vergangenheit in die Zukunft.
Prag, das TouristenmekkaPrag ist ein Touristenmekka geworden. Mehrere Millionen Besucher kommen jährlich in die tschechische Hauptstadt, um Kunst und Kultur, aber auch Knödel, Bier und Nachtleben zu genießen. Doch dieser Genuss ist leider nicht für jeden gleichermaßen wohlbekömmlich.

Und manchmal arm.
Und manchmal arm.
Den Stadtrundgang beginnt man am besten am Hradschin, wo die Prager Burg weithin sichtbar über der Stadt thront. Auf einem von Mauern und Burggraben umgebenen riesigen Areal scheint die Historie Prags in all ihrer Pracht zu Stein geworden zu sein. Besucher lustwandeln wie in einem Museum durch die Epochen von Ruhm und Reichtum, wobei einem allerdings die Lust angesichts der  gepfefferten Eintrittspreisen schnell vergehen kann. Vor allem diejenigen, welche  nur die Luft des  berühmten Goldenen Gässchens, wo der Sage nach die Wunder- und Hexenküchen der Alchemisten Rudolf II. dampften, schnuppern wollen, werden enttäuscht sein. Hier, wo unter anderem Franz Kafka 1917 im Haus Nr. 22 gelebt und viele Nächte schreibend verbracht hat, wo die meisten seiner Erzählungen, die in dem Band „Ein Landarzt" Eingang gefunden haben, entstanden sind, wird nur noch denen Eintritt gewährt, die im Besitz eines sogenannten Kombitickets sind.  Und das hat seinen Preis. Für 200 Kronen, umgerechnet etwa 8 Euro, kann man sich den Zutritt zu verschiedenen Museen der Burganlage erkaufen. Für jemanden, der genügend Zeit hat und sich eingehend mit der Geschichte des Hradschin befassen will, eine durchaus lohnenswerte Sache.
Kein Eintritt ohne KombiticketDoch was ist mit den anderen, die nur einen ganz speziellen Eindruck gewinnen möchten oder deren Geldbörse weniger gut gefüllt ist? Sie haben kaum eine Möglichkeit, das Lebensgefühl in diesem pittoresken Milieu der winzigen bunt gestrichenen Häuschen zu erkunden.

Aber das hat sich ohnehin grundlegend geändert. Kafka fand hier noch Ruhe und Frieden - eine gegensätzliche Welt zu der auch schon damals quirligen Innenstadt Prags. Er konnte, verloren in Raum und Zeit, Abstand gewinnen von seinen alltäglichen Problemen. Heute verliert man sich dagegen schnell im dichten Gedränge der Touristen, die sich lautstark in französischer, englischer oder hebräischer Sprache artikulieren. Ein gutes Foto  schießen wird zum schier unlösbaren Problem. Kameras, die hoch über den Köpfen der Besucher gehalten werden, gelingt es lediglich, das allgemeine Menschengewirr einzufangen.

Und manchmal noch ärmer.
Und manchmal noch ärmer.
Lange Schlangen stauen sich vor den viel zu niedrigen Eingangstüren der Häuschen, die jetzt, vollgestopft mit Andenken aller Art, nur darauf ausgerichtet sind, den Besuchern das Geld aus der Tasche zu ziehen. Nichts, aber auch gar nichts, hat mehr etwas mit dem Zauber von einst gemein. Erst nach 18 Uhr, mit einsetzender Dämmerung, beruhigt sich das hektische Treiben. Dann, wenn die Läden geschlossen sind, verschwinden auch die unbestechlichen uniformierten Guards an der Pforte.  Nun hat man endlich Gelegenheit, die einzigartige Atmosphäre zu genießen - wenn auch nicht ganz ungestört, hat sich doch  diese alternative Möglichkeit einer Besichtigung  längst herumgesprochen.
K.F.C. und McDonald's als bezahlbare AlternativeAm unteren Ende des Goldmacher Gässchens eröffnet sich dem Betrachter ein unvergleichlich schöner Ausblick auf Prag. Rechter Hand am Fuße der Burg liegt verschlafen die Kleinseite, Mala Strana genannt. Fasziniert folgt das Auge dem Durchblick auf die einzigartige Gliebellandschaft dieses Stadtviertels. Enge, verwinkelte Gassen, verträumte Plätze und Gärten wechseln mit pompösen Adelspalästen und stolzen Bürgerhäusern, Kirchen, malerischen Laubengängen und Höfen.  Unter König Ottokar 1257 als „Neustadt" oder auch „Kleinere Stadt" gegründet, von Karl VI. deutlich vergrößert, verwandelte sich dieser Siedlungsteil nach Regierungsantritt der Habsburger im 16. Jahrhundert in eine Wohnstätte des Adels. So prägt der Barock im Wesentlichen bis heute das Stadtbild.

Überall laden liebevoll eingerichtete kleine Kneipen, rustikale Weinstuben, aber auch Nobelrestaurants die Gäste zum gemütlichen Verweilen ein. Doch wer glaubt, sich hier günstig den Bauch vollschlagen zu können, der erwacht spätestens dann aus seinem Traum, wenn ihm die Rechnung präsentiert wird. Aber als Trost für weniger gut Betuchte: es gibt ja immer noch Fastfoodketten, wie Mc Donalds, Burger King oder K.F.C. Und das in nicht geringer Zahl, an fast jeder Ecke.

Um in die Prager Altstadt zu gelangen, nutzt man am besten die 520 Meter lange Karlsbrücke, welche das Ostufer mit dem Westufer der Moldau verbindet. 30 Figuren oder Figurengruppen aus böhmischem Sandstein thronen majestätisch auf deren Mauern - legendenumwitterte Schutzheilige, die das über 600 Jahre alte bedeutende gotische Bauwerk zu Beginn des 18. Jahrhunderts in eine einzigartige Freilichtgalerie barocker Plastik verwandelt haben.
Ein paar Krümel vom TourismuskuchenEs ist kaum ein Vorankommen im dichten Gewimmel der Menschen, die sich um Maler, Musiker, Künstler und Händler scharen, welche ihre Dienste in bare Münze verwandeln wollen und somit  versuchen, wenigstens ein paar Krümel vom großen, reichhaltigen  Tourismuskuchen abzubekommen. So wie auch der Bettler, der, dazwischen hockend und zu Boden schauend, auf Barmherzigkeit hofft. Am Altstädter Brückenturm, wo im Jahre 1621 zur Abschreckung aller Rebellen zwölf Köpfe hingerichteter Edelmänner, die einen  von Aufstand gegen die Habsburger angezettelt hatten, prangten,  sucht nun ein Obdachloser mit seinem vierbeinigen Freund auf einer schmutzigen Decke Schutz vor dem kalten Nieselregen.

Aber oft ganz reich.
Aber oft ganz reich.
Weiter geht es zur Josefstadt. Dieses Stadtviertel hat als zweite Heimstätte der Juden die Geschichte Prags maßgeblich geprägt. Neben den Synagogen ist der Alte jüdische Friedhof ein besonderer Besuchermagnet. Doch auch hier macht man ähnliche Erfahrungen wie anderswo: nur mit einem Kombiticket  kann man dieses einmalige Denkmal jüdischer Kultur besichtigen. Die Eintrittspreise schwanken zwischen 480 und 250 Kronen, also mindestens 10 Euro, die nicht alle Interessierten bereit, aber auch manche gar nicht in der Lage sind zu bezahlen.
Ein zweites Kombiticket für den FriedhofEs ist gerade die multikulturelle Vielfalt, die Prag über Jahrhunderte hinweg zu  seiner Einzigartigkeit verholfen hat. Millionen Menschen kommen deshalb jedes Jahr hierher. Fehlen ihnen die finanziellen Mittel, kommen sie nicht in den Genuss, Historie und Kultur so zu erleben, wie sie es wünschen.

Noch gilt Prag nach Paris als Europas attraktivstes Reiseziel. Aber ein Rückgang der Besucherzahlen 2007 beunruhigt derzeit alle, die am Geschäft mit dem Tourismus verdienen.

Man kann sich zwar heute nicht mehr der Meinung Werfels, Prag sei ein metaphysisches Irrenhaus, anschließen, aber  dem interessierten Gast offenbart sich schnell die paradox anmutende Realität dieser Metropole; Prag macht sich schön für seine Besucher. Bald wird der Frühjahrsputz abgeschlossen sein. Im Mai beginnt die Hochsaison. Mit seinen aufwändig restaurierten Häusern aus der Gründerzeit oder dem Jugendstil, den wunderbaren barocken Palästen und alten Kirchen, den traditionellen Cafehäusern, seinen attraktiven Straßenrestaurant und einer Fülle ganz besonderer Kulturschätze soll Prag seiner Bezeichnung als „die Goldene" alle Ehre machen.

Doch hinter der glanzvollen Fassade bröckelt es gewaltig, denn da verbirgt sich die andere Seite: Bettler, überzogene Preise, teure Kombitickets für die Besichtigung kultureller Stätten, gerissene Händler, unverschämte Taxifahrer, Taschendiebe sowie eine auffallend unfreundliche Bedienung in vielen Lokalitäten. Abzocke in Prag - das ist gegenwärtig die traurige Realität. Leider!


Galerie (Schule): Prag-Exkursion der elften Klassen des Oberland-Gymnasiums in Seifhennersdorf


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  Meinungen (7)
von ---------, on 23.04.2008 11:27
----- Kommentar entfernt ----- 
Gründe: 
- kein thematischer Zusammenhang 
- Beleidigung 
- Dummheit
von gerda, on 23.04.2008 06:23
ey sag ma gehts noch? 
in welcher welt lebst du eigentlich? 
nur weil du das vielleicht ne hinkriegst, musst du nicht die mühe und arbeit von anderen runtermachen! 
auf welche KACKSCHULE gehst DU eigentlich? 
lernt man euch da auch deutsch? 
anscheinend nicht, den dein GESCHREIBE ist eine katastrophe!!!!!! 
die seite hier ist bestimmt nicht dein niveau! 
denn das is wohl bei dir nicht vorhanden!
von ch., on 23.04.2008 06:28
Gerda spricht's aus. ;-) 
 
Ich finde den Artikel zwar auch etwas arg ausschweifend aber besser als drei Zeilen, außerdem stimmt das, was drin steht. Und dass das Comment-Modul hier Englisch ist stört mich nicht. Bis jetzt ist's mir nicht mal aufgefallen.  
 
Und in der Tat: Es hat wirklich nicht mehr so viel mit Schülerzeitung zu tun. Genial! :oD
von Milka, on 23.04.2008 07:59
Um mal wieder auf den Artikel zurückzukommen: Ich versteh das Problem nicht. In welcher Metropole (als solche kann Prag ja gern bezeichnet werden) hat man diese Erlebnisse nicht? Wir leben in einer kapitalistischen Welt, an die sich nun mittlerweile auch Tschechien anpasst und in der eben nichts mehr für wenig oder kein Geld läuft. Dies ist zwar eine traurige Erkenntnis, aber leider eine wahre.  
Der nächste Punkt: natürlich sind Touristenanströme nervig, aber die Großstädte leben nun mal davon, ohne Tourismus wäre Prag (oder jede andere Metropole) nie so weit gekommen. Damit muss man dann eben leben, oder sich an weniger belebte Orte in Prag begeben, eben dorthin, was fernab des Touri-Anstroms liegt. Ich war selbst auch da, und habe auch Touri-Magneten besucht aber mir auch gleichzeitig die etwas verschlafenen Seitengassen angeschaut, die, die eben nicht im Reiseführer stehen, die, die kein Tourist so schnell entdeckt. Und da war es auch schön, dort wurde man auch nicht abgezockt. 
Aber so funktioniert das eben. Money makes the world go round.
von charly, on 23.04.2008 08:53
Meinst du, dass Prag wirklich eine Metropole ist? Metropolen sind Frankfurt, London, Moskau, nicht mal Berlin ist eine - und da Prag? Die Stadt blüht, keine Frage. Aber eine Metropole, hat die nicht ein ganz anderes Flair? 
 
Es stimmt, was du sagst. Aber der Artikel soll wohl eher davor warnen, dass Prags Ruf als günstiges Reiseziel, um einen Wochenendtrip in einer edlen aber bezahlbaren Umgebung zu verbringen, nicht zu Enttäuschungen führt. 
 
Der Text ist irgendwie noch viel zu lieb. ;)
von Sunny, on 23.04.2008 16:00
Prag ist eine meiner Lieblingsstädte. Das letzte Mal war ich im Herbst dort. Auch ich bummel gern durch die kleinen verwinkelten Gassen. Aber wirklich Ruhe findet man dort erst nachts. Wenigstens hab ich diese Erfahrung gemacht. Und ehrlich gesagt, hab ich mich auch ziemlich abgezockt gefühlt, was mich total geärgert hat - will also sagen, dass ich die Situation in Prag ähnlich empfunden hab. Doch ich denk, es wird nix daran ändern, dass ich meiner Prag-Sucht auch in Zukunft immer wieder nachgeben werde.
von YellowHat, on 25.04.2008 08:26
Tschechen vergleichen "ihr" Prag ja gerne mit den anderen Metropolen und da kommt dann immer das Argument dort ist es auch teuer. Stimmt. ABER: z.B. in Wien bezahlt ein Tscheche genausoviel fuer seinen Kaffee wie der Österreicher - in Tschechien NICHT. Taxi, Hotel es gibt viele weitere Beispiele. Das ist es was Leute stört.  
 
Darauf angesprochen hört man oft sinngemäss - die Deutschen und Österreicher haben ja sowieso Geld ....
 
 
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