Es gibt lustigere Dinge, als dem Radio des 21. Jahrhunderts zu lauschen. Daran sind die Sender selbst Schuld. Aber der rettende Engel nahet schon!
A
chtung, es folgt ein sonderlich ausgewaschenes, um nicht zu sagen abgedroschenes Thema.
Die deutsche Rundfunklandschaft gleicht dem Flickenteppich, durch den vor zweihundert Jahren mal ein deutscher Staat definiert war. Aber, wen interessiert das schon? Die paar Sender, die UKW am Leben erhalten, tanzen wild vor sich her und machen uns glaubhaft, wir würden vor lauter 5-Euro-Scheine-Sammeln und Cash-Call-Anrufen uns nichts Gescheites vorzunehmen wissen und unser Lebenselexier bestehe aus den besten Hits von Übergestern und der Top-3 der Mainstram-Charts, sofern es sich um eines der raren Jugendprogramme handelt.
Radio war mal ein bisschen Popkultur.
Hitradio 1 bis 34 zum Wachwerden, ein bisschen Energy für die Jugend, die öffentlich-rechtliche Popopopwellen-Wellen zum Wohle der junggebliebenen Erwachsenen, und die Schlagerhitparade vorwärts und rückwärts im ersten Hörfunkprogramm für die Damen und Herren Fünfzigplus - damit dürften alle bedient sein. Was bleibt, das ist die Flucht in die Kulturprogramme und Info-Sender ... aber als Begleitmedium scheitern auch diese kläglich. MP3 kills the radio star - kein WunderDie Radio-Hörerzahlen, zumindest die der Generation Ämm-Pii-Sriii gehen zurück. Das älteste der elektronischen Medien mag so recht keiner mehr ertragen wollen. Das ist auch ganz verständlich soweit. Genießer mit einem ausgewogenen Musikgeschmack bedienen sich dann doch lieber ihrer digitalisierten Plattensammlung oder kramen die gute alte Langspielplatte heraus, um nochmal ein bisschen Barry Graves zu erleben, seinerzeit bis zum Tod 1994 eine deutsche Radiolegende, um sich seinen eigenen heimischen Garagensender aufzubauen.
Zumindest aber war Radio ein Grund für Popkultur.
So viel der Vorrede. Wenn das Radio heute noch etwas erreichen möchte, dann müsste es sich neu erfinden. Oder so sein, wie es einmal war. Nur noch ein bisschen besser. Ein paar Sender sind so, man glaubt es kaum, nur leider werden sie außerhalb ihrer UKW-Reichweite kaum gehört und auch innerhalb dieser sind ihre Hörerzahlen jenseits von Gut und noch Böser und keineswegs aufwiegbar mit ihrem Produktionsaufwand. Das Radio müsste sich neu erfinden - oder eben back to the rootsWOOLING.NET hat es sich zur Märtyrer Aufgabe gemacht, diese Sender vorzustellen. Was sie ausmacht ist gute Musik, fernab des Hit- und Chartswellen-Mainstreams und intelligente Menschen am Mikrofon. Wenns gut kommt, dann runden auch noch hörenswerte Beiträge das Programm ab.
In loser Folge möchten wir euch die Sender näher bringen, kurz erklären, was sie so besonders macht, warum ihr sie hören müsst und wie ihr sie am dümmsten und auch am klügsten empfangt.
Nächste Woche geht es los. Dann werden wir euch das österreichische Jugend(kultur)radio FM4 vorstellen. Weiter geht es mit diversen Produktionen vom WDR, BR und RBB, aber auch freien Radios.
Bis dahin lauscht schon mal dem Henkerstitel eures bisherigen Nebenbeidudelprogramms. Ihr werdet es nie wieder hören. Müssen.
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