Bibi Blocksbergs Kunst zu erlernen, soll gar nicht so schwierig sein. Sagen Forscher zumindest. Glauben wir ja auch. Aber irgendwie auch nicht. Oder doch?
K
lar. Die meisten von uns kennen diese Situation: Man hat sich etwas unheimlich stark und ausdauernd gewünscht, Tag und Nacht nur noch daran gedacht - und schließlich ist es eingetroffen. Genauso wie man es sich erhofft hatte. Dabei sei nicht der Wunschzettel gemeint, auf dem man im Kindesalter einmal das Bayb-Born-Puppenhaus oder die Komplettkollektion der Actionman-Figuren gemalt hatte, welche dann auch wirklich unter dem Weihnachtsbaum standen. Es geht vielmehr darum, dass man Kraft der bloßen Gedanken die Welt und alles das, was mit ihr verbunden ist, beeinflussen und somit verändern kann. Zumindest ist das eine ziemlich verbreitete These. Beispielsweise sei der Telefonanruf erwähnt, bei dessen Klingeln wir schon vorher genau wissen, wer dran ist und was zur Verblüffung Unsereins dann auch wirklich zutrifft! Wer glaubt da nicht zu gern an die unerschütterliche Kraft der Gedanken?
Das Telefon klingelt und du weißt genau wer dran ist.
Ein Glaube, mit dem sich eine Menge Geld verdienen lässt. Das beweisen nicht zuletzt die aktuellen Medien mit ihrer vollen kreativen Schaffenskraft. Mittels Shows wie „The Next Uri Geller" (treffenderweise hätte ProSieben die Show auch „The Next, der drauf reinfällt, wird hässlich ausgelacht" nennen können) hält die Esoterik mit Löffelverbiegen, Geistheilen oder Telepathie ihren Einzug in die Wohnzimmer der allseitig gebildeten, rational denkenden Bürger. Die Einschaltquoten sowie die Reaktionen jener Konsumenten beweisen: man versteht es geschickt, deren Sinne zu verwirren, dank Kameratechnik und ausgefeilten Zaubertricks.
Esoterischer Humbug im neuen Licht Und trotzdem: Was man einst als esoterischen Humbug abtat, rückt plötzlich als wissenschaftlich begründet in ein neues, ganz anderes Licht. Bücher, wie „Wünsch es Dir - aber richtig" von Pierre Franckh, Lynne Mc. Taggert‘s „Intention - Mit Gedankenkraft die Welt verändern" oder Bärbel Mohrs Offerte „Bestellungen beim Universum", werden zu internationalen Bestsellern. Ebenso das ungebrochene Interesse an den „Bleep"-Filmen über die Quantenphysik und Spiritualität, die aus einem reichlich zwielichtigen New-Age-Milieu der USA stammen, stehen für die neue Welle, welche den Globus überrollt und deren Kernbotschaft lautet, dass kein geringerer als das Universum selbst uns jeden Wunsch erfülle. All diese Medien haben eines gemeinsam: sie beziehen sich auf die moderne Physik, vor allem auf die Quantenphysik. Ihr Credo: Der Urgrund alles Seins sind Geist und Bewusstsein. Das würde bedeuten, wir Menschen wären Teil einer kosmischen All-Intelligenz, mit der wir kommunizieren können.
Kontakt mit den Sternen? Aber bitte nicht so.
Dem würden Quantenphysiker wahrscheinlich nicht prinzipiell widersprechen, was auch der Grund dafür ist, dass die „Bleep"-Filme von renommierten Wissenschaftlern, Physikern und Universitätsprofessoren unterstützt worden sind. Der Naturwissenschaftler spricht von einem Energiefeld, welches das ganze Universum durchziehe und was von jedem Menschen angezapft werden könne. Doch ist dies auch jenes, worauf die „Wünsch dir was - Theorie" basiert?
Bewusstsein und Universum sind verbunden Die Idee von einer kosmischen Kraft, mit der wir in Verbindung treten können, begründet sich auf uralten mythologischen Vorstellungen: Himmelsboten machten Unmögliches möglich, vorausgesetzt der Glaube der Menschen war groß genug. Später dann, mit dem Vormarsch der modernen Welterkenntnis, hatten kosmische Geistwesen keinen Platz mehr in dieser Welt. Erst die moderne Physik brachte paradoxerweise das Mysterium zurück in die Natur. Danach seien also das Bewusstsein und das Universum miteinander verbunden, wodurch es möglich wäre, die Realität je nach unseren Wünschen zu erschaffen.
Die Grenzerfahrung - Ein Kurzfilm über ein Nahtoderlebnis (5.43 min)
Kann zum Philosophieren anregen.
Ist das nicht reiner subjektiver Idealismus, wird sich da manch einer fragen. Vielleicht. In gewisser Weise bestimmt. Die neuen Mystiker, die in Wahrheit erheblich von der Quantentheorie abweichen, sind davon überzeugt, wir könnten Materie ganz bewusst in eine gewünschte Richtung verändern. Doch Wissenschaftler haben nie behauptet, dass wir bestimmen können, welchen Zustand ein Teilchen annimmt, wenn wir es messen. Auch in anderen Punkten stimmen die Wünsche-Propheten nicht mit den wissenschaftlichen Erkenntnissen überein. Wenn sie behaupten, die Wunscherfüllung folge dem „Gesetz der Anziehung", dann lässt sich das simpel nach dem folgenden Prinzip erklären: Gleiches zieht Gleiches an. Ist das Denken von Gutem oder Schönem bestimmt, dann wird das positive Auswirkungen auf das Leben haben. Umgekehrt aber, wenn jemand ständig an Negatives denkt, so wird das auch verhängnisvolle Folgen für sein Dasein haben. Eigentlich logisch. Auch wenn alles miteinander verbunden ist, so können wir noch lange nicht Naturgesetze außer Kraft setzen oder Kraft unserer Gedanken beispielsweise von Düsseldorf aus Einfluss auf das Liebesleben irgendeines Cousins im neuseeländischen Auckland nehmen.
Unsichtbare Parallelwelt In seinem Aufsatz über „Quantenengel" sorgte der Physiker Antoine Suarez vom Center for Quantum Philosophy in Zürich kürzlich für Furore. Einem Experiment zufolge stünden wir Menschen einer kosmischen Intelligenz gegenüber, die Suarez Quantenegel nennt und die nach eigenem Ermessen die Realität verändern kann. Damit will der Physiker lediglich deutlich machen, dass es eine transzendente Realität gibt, dass hinter unserer sichtbaren Welt eine unsichtbare Intelligenz waltet, wobei er allerdings nicht behauptet, dass wir diese per Gedankenkraft für unsere irdischen Zwecke einspannen können.
Gibt es eine transzendente Realität, neben der unsrigen?
Auch wenn viele aktuelle „Wünsch Dir was-Bestseller" das Gegenteil sagen, bewegen sie sich weit abseits der quantenphysikalischen Gesetze. Aber warum haben diese Bücher, Filme oder Shows so einen gigantischen Erfolg? Viele noch immer ungelöste Rätsel der Quantentheorie stellen eine Projektionsfläche dar, auf der sich die Sinnsuche mancher Menschen in einer kalten Welt moderner Kosmostheorien begründet. Offenbar wünschen sie sich ein Universum als eine beseelte Lebenswelt gemäß den Vorstellungen aus der Antike zurück.
Trotz den durch die „Wünsch Dir was - Bewegung" geweckten Hoffnungen auf bessere Zeiten, ist Misstrauen gegenüber Heilsversprechungen und sozial isolierendem Wunschdenken angesagt, denn gemeinsam etwas erkämpft, ist noch immer erfolgreicher und besser als einzeln herbei gewünscht. Ziel des ganzen Palavers um die Wunscherfüllungsvorstellungen ist es vor allem, Gutgläubigen das Geld aus der Tasche zu ziehen. Das hätte man sich dann vielleicht doch nicht gewünscht.
Fotos: Photocase - jakatta, rockabella, kong, maheeny, san wen
nahtod.de - Zwar nicht über Wunscherfüllung, dafür über Grenzerfahrungen mit dem Tod allmystery.de - Eine Seite, die verspricht, Antworten auf die Rätsel dieser Welt zu geben
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