Bis man bei Aldi oder Neckermann eine Reise in den Orbit buchen kann, dauert es noch ein bisschen. Für Günther-Jauch-Gewinner geht's schneller.
N
och mutet das Modell des Spaceports wie eine Vision aus einem in die Jahre gekommenen Sciencefiction-Film an. Doch das Bauprojekt hat bereits begonnen. In der staubigen Chihuahua-Wüste New Mexikos auf 1 300 Metern Höhe, wo heute zwischen Kakteen und Kreosotbüschen noch immer ein paar Rinder weiden und es gerade mal eine Hochspannungsleitung gibt, soll der künftige Weltraum-Bahnhof Amerikas entstehen. Knapp 70 Kilometer Straße und eine drei Kilometer lange Start- und Landebahn werden demnächst in die Wildnis asphaltiert.
Neue Verkehrsmittel.
Bereits Ende 2009 soll hier das Trägerflugzeug White Knight II samt dem Raumschiff SpaceShip Two mit gut betuchten Passagieren ins All abheben. 200 000 Dollar lassen es sich die Trillionäre, wie man die neue Klasse der privaten Weltraumritter auch gern bezeichnet, kosten. Die Kunden des Unternehmens „Virgin Galactic" bekommen dafür die Möglichkeit, den Erdtrabanten aus einer Reisehöhe von etwa hundert Kilometern zu bestaunen und während dem etwas mehr als eine Stunde dauernden Flug das Gefühl der Schwerelosigkeit zu erleben. Regelmäßige Space-Touren schon nächstes Jahr Bereits mehr als 500 Passagiere sollen ihr Ticket in den Weltraum schon bezahlt haben. Man rechnet mit einer ständigen Zunahme an Interessenten: mindestens 20 000 Kunden werden es im Jahre 2020 sein, dessen ist man sich sicher. Der Microsoft-Programmierer Charles Simonyi hat für den Nervenkitzel im April letzten Jahres schlappe 25 Millionen Dollar an seinen Reiseveranstalter Space Adventures gezahlt. Die US-Firma arbeitet mit der russischen Raumfahrtagentur zusammen und bietet inzwischen schon eine Mondumrundung für sage und schreibe hundert Millionen Dollar an. Zweifelsfrei ein lohnendes Geschäft eines boomenden Industriezweiges, der mehr du mehr privatisiert wird.
So könnte das Spaceport America Terminal innen aussehen.
„Der Spaceport wird eines der neuen Weltwunder werden - er soll ein einmaliges Erlebnis sein, noch bevor man abhebt", erzählte Alex Tai vom Virgin-Galactic-Managements neulich der Zeitschrift „P.M. Magazin". Der langjährige Pilot will den Jungfernflug höchstpersönlich steuern. Das geheimnisumwitterte militärische Testgelände in New Mexiko, wo einst die erbeutete V2-Rakete der Nazis gezündet wurde, bietet geradezu ideale Standortbedingungen für dieses zukunftsträchtige Projekt. Die Luft ist trocken, der Himmel meist wolkenlos: Korrossions- und Wetterprobleme sind hier kein Thema. Zudem ermöglicht die Höhenlage Starts mit mehr Nutzlast bei weniger Treibstoff. Das forciert die Entwicklung neuer Raketen und Raumkapseln, welche die Space-Shuttels schon 2011 ablösen sollen. Noch 2008 eine Mondumrundung - für hundert Millionen Dollar
Richtig romantisch, der Spaceport von außen.
Der Prototyp dieser neuen Generation der Aluminiumkapsel mit eigenem Antriebssystem, die „Dragon", soll sieben Astronauten oder zweieinhalb Tonnen Fracht fassen. Mit ihr wird das Ansteuern der ISS sowie die kontrollierte Rückkehr zur Erde ermöglicht. Probestarts, die bereits 2006 und 2007 stattfanden, waren zwar nicht auf Anhieb erfolgreich. Dennoch ist man guter Hoffnung.
Im Geschäft mit der privaten Raumfahrt will künftig auch die Europäische Luft- und Raumfahrtbehörde EADS mitmischen, die ihr rund eine Millionen teure Astrium-Raumschiff auf der Luftfahrtschau in Paris vorstellte. Das in Deutschland und Frankreich entwickelte Raketenflugzeug soll mit herkömmlichen Düsentriebwerken eine Flughöhe von 12 Kilometern erreichen, bevor der Raketenantrieb zum Einsatz kommt. Linienflüge nicht vor 2012Laut Konzeptstudie schießt die Astrium innerhalb von 80 Sekunden auf rund 60 Kilometer, bevor die Triebwerke stoppen und das Raumschiff durch Restschub die maximale Flughöhe von hundert Kilometern erreicht. Allerdings bietet dieses Fluggerät nur vier Passagieren Platz, die voraussichtlich 150 000 Euro für das kurze Space-Erlebnis zahlen müssen. Man rechnet jedoch nicht vor 2012 mit „Linienflügen".
Spaceship Two von Virgin Galactic - ein Allbus quasi.
Der Virgin-Galactic-Geschäftsleiter Attenborough ist sich sicher, dass dies erst der Anfang eines umfangreichen Weltraum-Tourismus sei. Deshalb fordert er, die Forschung, was die Entwicklung eines ein revolutionären Startersystems, Sicherheit, Preis und Umwelteinfluss angeht, noch zu intensivieren. Auf den Raumtourismus könnten Reisen in die Umlaufbahn oder suborbitale Flüge von Punkt A zu Punkt B auf der Erde folgen. Solch ein Flug mit der vierfachen Schallgeschwindigkeit würde dann beispielsweise von Berlin nach Singapur nur noch eine knappe Stunde dauern und zudem würde der CO2-Ausstoß im Vergleich zu einem Linienflug pro Kopf um ein Viertel verringert. "Suborb-Hopper-Flüge" von A nach B auf der ErdeZur Routine dürfte der Flug ins All in absehbarer Zukunft jedoch nicht werden, erfordert solch eine Unternehmung doch ein vorbereitendes Training von fünf bis sieben Tagen. Dabei geht es vor allem darum, dass die Hobby-Astronauten mit der Schwerelosigkeit umzugehen lernen, denn beim Start sind die Passagiere der dreifachen Schwerkraft ausgesetzt und bei der Rückkehr zur Erde sogar der sechsfachen. Und auch über das Risiko sollte sich jeder im Klaren sein: Unfälle wird es mit Sicherheit geben.
Space Tourism (Animationsfilm, 9 min)
Bleibt abschließend noch die Frage, wann sich der Otto-Normalverbraucher bei Neckermann-Reisen oder zu Discountpreisen im Supermarkt einen solchen Spaß leisten kann. In den ersten fünf Jahren nach der Aufnahme des regelmäßigen Flugbetriebs wird ein suborbitaler Flug etwa 50 000 Dollar kosten, was noch immer für die meisten unerschwinglich ist. Befragungen ergaben, dass der normale Bürger nicht mehr als 10 000 Dollar dafür ausgeben würde. Wenn überhaupt.
Somit bleibt diese Art des Reisen auch in nächster Zeit nur einem exklusiven Klientel vorbehalten und der Rest schaut träumend in den Sternenhimmel und wünscht sich, irgendwann einmal von dort oben auf die alte Mutter Erde herabschauen zu dürfen. Ist ja auch zu romantisch ...
Und es geht doch! Für Schotten bietet seit einiger Zeit bereits der Anbieter Mydays.de Flüge an den Rand des Weltraums (wohlgemerkt der Rand zwischen Erde und Weltraum) an. Das ist vergleichsweise billig: ab 13 950 Euro geht's los.
Wem die Schwerelosigkeit genügt, findet bei Mydays auch ein Parabelflug-Angebot, bei dem sich für 6 400 Euro noch etwas preiswerter Schwerelosigkeit erleben lässt. Und wem doch das richtige Weltraumabenteuer eher naheliegt, der sollte sich an den derzeit einzigen Weltraumreiseanbieter Space Adventures wenden.
Achtung: Bevor du kommentierst, erinnere dich bitte noch einmal an deine gute Erziehung. Hab keine Angst, wenn dein Beitrag sinnentleert ist. Das kommt vor. Aber sei kreativ!
Da der Microsoft Internet Explorer nicht den weltweiten Web-Standards entspricht, wird WOOLING.NET im Internet Explorer bis Version 6 noch fehlerhaft dargestellt. Alle Fehler konnten wir noch nicht beheben. Das betrifft vor allem Textausrichtung, Linien und Abstände. Um WOOLING.NET in voller Schönheit genießen zu können, legen wir euch ans Herz, den Internet Explorer zu aktualisieren oder am besten gleich kostenlos zu Mozilla Firefox oder Safari für Windows umzusteigen. Mehr zum Thema IE lesen »