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Zwischen Hoffnung und Verzweiflung E-mail
by Milka | Hier | Thursday, 27 March 2008   


"Mädchen, nun macht schon, die Welt gehört euch!" - Die Dresdner Multimedia-Ausstellung "Lichtflecke - Frau sein im Holocaust" widmet sich den Schicksalen jüdischer Frauen im NS.

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ie viel Leid, wie viel Verzweiflung, wie viel Schmerz mussten sechs Millionen Juden während der NS-Zeit erfahren? Wie viele dieser sechs Millionen starben namenlos?

Die Kuratorin Yehudit Inbar gibt ein paar dieser sechs Millionen ein Gesicht. In ihrer Ausstellung „Lichtflecke - Frau sein im Holocaust", die derzeitig im Dresdner Residenzschloss anzusehen ist, zeigt sie Einzelschicksale von Frauen und Kindern, deren Hoffnung und Verzweiflung, Zusammenhalt und Freundschaften in den KZs.

Der spartanisch eingerichtete, kühle Ausstellungsraum scheint den Betrachter im ersten Moment zu erdrücken, trotz der hohen Wände fühlt sich der Besucher eingeschnürt. Da die von der Decke herabhängenden Beamer die einzige Lichtquellesind, verstärkt sich dieses Gefühl des Eingeengtseins. Diese bedrückende Atmosphäre lässt die an die grauen Wände projizierten Berichte über Frauen, die sich oder ihren Schicksalsgenossinnen Hoffnung machten, fast gespenstisch wirken.  Mahnend auch die zahllosen Tagebucheinträge, Gedichte, Zeugenaussagen und Gefangenenfotos einiger Frauen. Da wirkt die musikalische Untermahlung fast überflüssig.

Lichtflecken vorm und im Residenzschloss Dresden.
Lichtflecken vorm und im Residenzschloss Dresden.
»Ich lauschte ihren Gebeten und dachte, dass ich sie aufschreiben müsste, für den Fall, dass, wenn wir sterben, etwas davon zeugt, dass hier einmal Jüdinnen waren.« Dieser Satz, aufgeschrieben von KZ-Insassin Dita Kurschner, scheint eine treffende Beschreibung der Ausstellung, denn sie lebt von diesen und anderen Erinnerungen, Tagebucheinträgen, niedergeschrieben auf allem, wasman als Schreibpapier verwenden konnte. Rezepte finden sich auf Rückseiten von Hitlerfotos, Briefe an die Nachwelt sind auf Papier von Munitionspatronen erhalten geblieben. Erschütternd der Brief einer Jüdin, den sie kurz vor ihrer Ermordung an ihren Mann schrieb, ihm noch Hoffnung machte und ihm versicherte in ihren letzten Atemzügen bei ihm zu sein. Beeindruckend die Zeile aus einem Gedicht von Vali Garai: „Mädchen nun macht schon, die Welt gehört euch!"  Der Wille, trotz der aussichtslosen Situation Frau zu bleiben, der einige KZ-Insassinnen dazu brachte, sich aus Farbresten eine Art Ersatz-Lippenstift zu fertigen, sich BHs aus Uniformen zu nähen oder - um ihren Hunger zu bekämpfen  - Rezepte zu erfinden und auszutauschen, wird in zahlreichen Projektionen gezeigt. Es gäbe noch viele weitere Schicksale, die hier genannt werden könnten, um zu zeigen, dass die grundverschiedenen Frauen alle eines gemeinsam hatten: Eine unerschütterliche Lebenskraft, die sich nicht einmal durch das Angesicht des Todes unterdrücken ließ.  

Vergessen sind jene, an die nicht mehr erinnert wird. Keiner der sechs Millionen hat dieses Schicksal verdient, darum ist der Ausstellung viel Beachtung zu wünschen. Schließlich soll nie wieder ein dreizehnjähriges Kind fragen müssen: „Bin ich und tausend und vielleicht millionen junger unschuldiger Menschen dazu verurteilt, aus den Reihen der Lebenden getilgt zu werden?"

Fotos: Photocase - sephoto, Annemarie Mönch


Die Ausstellung läuft noch bis zum 4. Mai 2008 im Residenzschloss Dresden.



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