
 Foto: aboutpixel.de / ClaudiaH Dachte man sich zumindest. Aber eigentlich war es nur wieder einer der verzweifelten Versuche, die Zukunft einer Region jungen Leuten bewusst zu machen. Na ja, wenigstens war das Essen gut.
G utes Essen – nette Leute – beste Unterhaltung. So würde man ein Feriencamp seinen Eltern gegenüber charakterisieren, wenn man nicht wirklich Lust hat auszuschweifen und alles bis ins Detail zu erzählen. Für ein Seminar aber, bei dem Jugendliche über die Zukunft Sachsens nachdenken sollen, ist das einfach zu wenig. Eine solche Veranstaltung sollte zum Ziel haben, dass man diesen drei Stichpunkten noch zwei hinzugefügt werden, nämlich „gutes Arbeiten“ und „unsere Ergebnisse wurden gehört“. Für diese vielversprechenden drei Tage nahmen ein Kollege und ich also eine fünfstündige Anreise in Kauf, die uns einmal durch ganz Sachsen führte. Die Bedingungen klangen ideal: Unterbringung auf einem Schloss mit Vollpension, Fahrtkostenrückerstattung und ganz viele Leute in unserem Alter. Nach dem obligatorischen Kennenlernen der anderen Teilnehmer am ersten Tag, war am zweiten Tag produktives Arbeiten angesagt. Die Schüler wurden auf vier Workshops aufgeteilt, Beruf und Bildung hieß der unsrige. Nach anfänglichen Bedenken, ob man denn überhaupt zu einem ordentlichen Ergebnis kommen würde, kam man dann doch schnell zu interessanten Diskussionen und Denkansätzen. Wir stellen etwa Forderungen auf, mehr Schülerpraktika durchzuführen, mindestens drei in der Schulzeit, und an jeder Schule einen Berufsberater zu haben. Und auch die Entscheidung, welche weiterführende Schule besucht werden soll, sollte nach unseren Erkenntnissen auf später verlegt werden. Nach einem Tag voll Arbeit, der eigentlich nicht im Geringsten ausgereicht hat, um komplexe Themen dieser Art zu besprechen, hatte man das gute Gefühl zu einem Resultat gelangt zu sein, was den klugen Köpfen im Ministerium einige Denkaufgaben bescheren würde. Also wurde am dritten Tag gespannt auf Herrn Milbradt, seines Zeichens Ministerpräsident von Sachsen, gewartet. Er hörte sich unsere Ergebnisse in Form einer Computer-Präsentation scheinbar interessiert an und setzte, nachdem der letzte Sprecher geendigt hatte, zu einer zwanzigminütigen Rede an. In diesem Referat erläuterte er uns, dass dieses Seminar ein guter Startpunkt sei, um einen Dialog zwischen den Schülern und der Staatskanzlei herzustellen und die Ergebnisse respektabel seien. Zwischen den Zeilen aber konnte man deutlich merken, dass nicht ein einziger Stichpunkt von dem, was wir vorgetrageb hatten, die Politiker wirklich interessieren würde, weil wir ja schließlich nur Schüler sind. Die anschließende einstündige Diskussion gestaltete sich so, dass unser Ministerpräsident auf ein paar wenige Dinge einging, die nicht wirklich etwas mit den in der Präsentation angesprochenen Themen zu tun hatten. Er redete mit viel Fachwissen und dies politisch einwandfrei, aber er redete mehr oder weniger über die Köpfe der Anwesenden hinweg. Mit einem gemischten Gefühl von „war eigentlich echt toll, wegen den Leuten und so“ und „es hat aber im Endeffekt nichts gebracht“ durften wir dann am Freitagmittag abreisen. Dieses Seminar war sicherlich ein guter Ansatz. Aber den Schülern das Gefühl zu geben, dass sie nichts bewegen können, war eher destruktiv. Ich sage: Gutes Essen – nette Leute – beste Unterhaltung – gutes Arbeiten – unsere Ergebnisse wurden nicht gehört. |
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