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Jung. Hübsch. Schwanger. E-mail
by Grandma | Hier | Sunday, 23 March 2008   


Wenn es dann passiert ist, kommt das große Zittern. Und danach? Wendoly wurde mit 15 schwanger. Im Cafégespräch spricht sie über das, was ihr Leben veränderte.
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W
as findet man wohl so in der Tasche eines 15-jährigen Mädchens? Wahrscheinlich kaum einen Schulhefter, eher einen knalligen Lippenstift, ein bis zum Rand mit SMS gefülltest Handy, im Terminplaner wechseln sich Partys mit dem nächsten Weiberabend ständig ab, ein Stück von der Zimmertür, die beim letzten Krach zu Hause dran glauben musste und eine Karte mit irgendeinem Mut-Mach-Spruch. Was aber, wenn zwischen all den kleinen und großen Querälen des Alltags plötzlich eine Babyflasche, Windeln und ein riesen Paket mit der Aufschrift „Verantwortung!" auftaucht? Wendolys war fünfzehn, als sie etwas Neues in sich spürte.

Heute ist sie 18. Für WOOLING.NET hat sie über das gesprochen, was ihr Leben veränderte.

Wendolys, wann wussten deine Eltern von der Schwangerschaft?
Ich hab es in der achten Schwangerschaftswoche erfahren und meine Mutti in der neunten. Ich habe mich aber nicht getraut ihr das zu sagen, das hat mein Freund, Basti (22), für mich gemacht. Meine Mutti war natürlich erstmal geschockt, aber ist dann echt gut damit umgegangen. Sie hatte sich das schon gedacht, überhaupt hatten sich das alle schon gedacht. Meine Schwiegermutter war hingegen erstmal echt sauer. Sie hat die Sache eben sehr realistisch gesehen: Was willst du denn mit einem Kind? Du bist doch erst sechzehn! Richtig blöd war auch, dass mein Schwiegerpapa die ganze Sache auf Arbeit von einem Kollegen erfahren hat.

Wendoly Contreras-Aquilar ist 18 Jahre alt und wohnt in Neugersdorf (Oberlausitz). Mit 15 wurde sie schwanger.
Wendoly Contreras-Aquilar ist 18 Jahre alt und wohnt in Neugersdorf (Oberlausitz). Mit 15 wurde sie schwanger.
Da war der Buschfunk wohl schneller als ihr. Wie ist denn dein Freund mit seinem zukunftigen Papadasein klargekommen?

Der war natürlich auch total geschockt. Wir haben zusammen den Test gemacht, weil ich mir eben schon sowas dachte. Da ist er kreidebleich geworden, als das Ergebnis positiv war. Er hat sich da mehr Gedanken drüber gemacht, als ich und das Ganze sehr realistisch gesehen. Er mit kleinem Einkommen und ich geh noch zur Schule.

Haben deine Mitschüler erst am dicken Bauch erkannt, was los ist?
Meine Mutti hat beim Direktor angerufen, der hat es an den Klassenleiter weitergegeben und der kam dann auf mich zu. Er hat mit mir darüber geredet und mich gefragt, ob er es der Klasse sagen sollte oder ob ich das selber machen wollte. Natürlich wollte ich das lieber selber erzählen. Die Reaktionen waren auch echt gut, aus meiner Klasse haben sich eigentlich alle mit mir gefreut. Auch von den Lehrern kam ein gutes Feedback, außer von meiner Deutschlehrerin. In ihrem Unterricht gings mir einmal nicht gut, als ich noch nicht wusste, dass ich schwanger war. Da hab ich gefragt, ob ich heim gehen kann. Darauf meite sie gleich: „Na, nicht dassde schwanger bist!" Als es dann in der Schule rum war, hat sie kaum noch mit mir geredet und mich nicht mehr gegrüßt. Aber vor kurzem kam sie mal und fragte, wie es denn meinem „Töchterchen" gehe: Es ist ein Sohn, aber uns geht's gut.

Pascal hat Wendolys Leben verändert.
Pascal hat Wendolys Leben verändert.
War
Abtreibung jemals eine Frage für dich?
Nein. Das war überhaupt kein Thema, weder für mich, noch für meinen Freund oder unsere Eltern. Ich finde Abtreiben ist gleichzustellen mit töten und ich bin keine Mörderin. Außerdem gibt es heute so viele Möglichkeiten wie die Babyklappe oder eine Kinderkrippe oder das Kind wächst bei der Oma auf. So eine Abtreibung ist sicher ein riesige psychische Belastung und das zu verarbeiten ist mit Sicherheit sehr schwer. Es gibt immer einen Ausweg. Auch wenn mich mein Freund deswegen verlassen hättte, hätte ich meinen Sohn trotzdem bekommen und ihn dann eben mit meiner Mutter großgezogen. Aber wenn mein Freund einer von der Sorte gewesen wäre, hätte ich auch nicht mit ihm geschlafen. Ja klar, vorher weiß man das ja nie ...

Welche Erfahrungen hast du gemacht?
Es gab immer Leute, die mit dem Finger auf mich gezeigt haben, auch ältere Schüler. Aber ich habe gelernt da drüber zu stehen und mich nicht runter machen zu lassen. Das ist ganz wichtig. Es ist auch nicht so, dass man vom einen auf den anderen Tag erwachsen werden muss. Man wächst da automatisch rein. Man kann Mutter sein, wenn man an sich glaubt. Außerdem hat mich mein Freund ja auch unterstützt.

Gab es einen Zeitpunkt an dem du am liebsten alles aufgegeben hättest?
Es gab schon schwierige Phasen, in denen ich sehr viel gebetet habe. Ich habe generell sehr viele Gebete gesprochen. Meine Mutter und ich sind im Streit auseinandergegangen. Da hab ich meine Sachen gepackt und bin zu meinen Schwiegereltern und meinem Freund gezogen. Die waren echt lieb, haben einen Kredit aufgenommen und den Boden für uns ausgebaut. Meine Schwiegermutter hat sich auch oft um Pascal gekümmert, das macht sie auch jetzt noch, wenn wir mal nicht da sind. Auch wenn sie ihn dann manchmal verzieht und ich schließlich die böse Mutti bin. Ich habe mich viel mit ihr gestritten, was auch ein Grund für uns war, nach einer eigenen Wohnung zu suchen. Jetzt wohnen wir hier und kommen schon über die Runden. Uns fehlt nur noch ein Wäschetrockner.

Positiv verändert.
Positiv verändert.
Kannst du dir ein Leben ohne Kind noch vorstellen?

Manchmal hab ich mir schon die Frage „Was wäre wenn ...?" gestellt. Aber ich hab nie gedacht, lieber kein Baby zu bekommen. Klar, zum Beispiel die Kubareise zu meiner Verwandtschaft fiel für mich aus und an meiner Stelle ist Myriam hingefahren, da war ich schon neidisch auf meine Schwester. Ich wollte auch früher bei der Polizei arbeiten, aber das hab ich schon lange verworfen. Ich werde auch nicht studieren gehen, sondern nach der zehnten Klasse eine Ausbildung anfangen. Aber das finde ich echt okay. Ich bin zufrieden, so wie alles jetzt ist.

Wie kommst du damit klar, gleichzeitig Mutter, Partnerin, Schülerin, Schwiegertochter, Tochter und Hausfrau zu sein?
Man hat natürlich immer irgendwas im Hinterkopf und ist manchmal mit den Gedanken ganz woanders. Ich versuche aber immer voll und ganz dort zu sein, wo ich gerade bin. Wenn ich also in die Schule fahre, versuch ich abzuschalten und einfach nur Schülerin zu sein und auch ein bisschen Spaß zu haben. Wenn ich mit Pascal spiele, versuche ich für ihn zu wenigstens 98 Prozent da zu sein und auch eine Autoritätsperson darzustellen. Und wenn ich mal auf eine Party gehe, dann will ich eben Spaß haben, was trinken und mal die Sau rauslassen. Das geht natürlich nicht so oft, ich gehe vielleicht einmal in zwei Monaten. Aber ich vermisse es nicht. Ich will ja schließlich für Pascal und meinen Freund da sein.

WOOLING.NET Cafégespräch – das sind gediegene Interviews mit Menschen, die etwas von sich zu erzählen haben und die Zeit haben, mal in aller Ruhe gemütlich aus dem Leben zu plaudern, egal woher sie kommen und was sie machen.



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  Comments (2)
Written by myriam, on 26.03.2008 20:39
toll, ich bin richtig stolz auf meine schwester! schöner artikel.
Written by Marie, on 06.05.2008 12:52
kannst auch stolz sein myri. ich find es echt stark sich heutzutage für ein kind zuentscheiden und dann noch in diesem alter.
 
 
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