Ein Schluck Campus Cocktail für alle, die mal vom Uni-Leben kosten wollen. Die Kolumne: Immer freitags alle zwei Wochen. Und immer mit Karla Kolumna.
Die Horrorvorstellung eines jeden Studenten wird dieser Tage mal wieder Wirklichkeit. Schlaflose Nächte, immenser Kaffeekonsum und im Kopf nur lernen, lernen, lernen. Was die Prüfungszeit so alles mit sich bringt und wie man es trotzdem irgendwie schafft: Heute im Campus Cocktail.
H
IIIIIIIILFEEE! Nur noch zwei Tage! Der Schreibtisch voller Bücher, loser Zettel und eingetrockneter Kaffeetassen. Der Kopf qualmt wie ein Großbrand in einer Altpapiersortieranlage und all die Formeln und Definitionen wollen trotz Nachtschichten und zentnerweise Ginseng-Tabletten einfach nicht im Gedächtnis hängen bleiben.
Ich glaube, ihr wisst schon alle wovon ich rede. Richtig. Hundert Punkte. Prüfungszeit.
Abschotten.
Warum muss man den ganzen Krempel aber auch bis zur letzten Minute aufschieben? Wäre doch alles viel entspannter, wenn man schon übers gesamte Semester ab und zu mal was wiederholen und lernen würde. Gute Vorsätze habe ich dazu jedenfalls immer massenweise. In den Ferien hat man ja auch genug Zeit, sich welche zu machen. Nach dem Motto: „Dieses Mal wird alles besser" starte ich dann frisch ins neue Uni-Halbjahr, freue mich all meine geliebten oder ungeliebten Kommilitonen wieder zu sehen, genieße das wohlschmeckende Mensa-Futter, besuche auch ab und zu ein paar Vorlesungen und eh man sich versieht, steckt man schon wieder mitten in den Prüfungen. Die guten Vorsätze? Hmm ... Die haben sich wahrscheinlich gedacht: „Mit dir wird das eh nix" und haben sich irgendwo zwischen Semesteranfangs-Party und Videoabend aus dem Staub gemacht, um einen anderen zu bekehren, der mehr Elan an den Tag legt. Die guten Vorsätze bekehren nun jemanden mit mehr ElanUnd jetzt sitze ich hier, wie wahrscheinlich tausende andere Studis auch, und zerbreche mir den Schädel an logischen Gesetzen und Theorien der Persönlichkeitspsychologie, am meisten aber an der wenigen Zeit, die mir noch bleibt. Kaffeekränzchen und Videoabende sind für die nächsten Tage und Wochen erst einmal abgesagt. Völlige Isolation zwischen meterhohen Papierstapeln. Der einzige soziale Kontakt, der mir bleibt, ist das zufällige Treffen mit meiner Mitbewohnerin auf dem Flur, wenn einer auf dem Weg ins Bad ist und der andere zielstrebig in die Küche eilt, um den elften Kaffee an diesem Tag zu kochen. Und die Kassiererin aus dem Supermarkt nebenan wundert sich wahrscheinlich schon über meinen enormen Schokoladen-Konsum, nachdem ich sicher drei Mal am Tag aus meiner Lern-Höhle nach unten tigere, um auf meinen Streifzügen durch die Regale wieder neue Nervennahrung zu erbeuten.
Lernen mit Körpereinsatz.
Komischerweise bringt die ganze Abschottung aber nicht so viel, wie ich es mir erhoffe. Es finden sich immer zigmilliarden bessere Sachen, die man grade unbedingt noch erledigen muss. Das Regal: Voller Staubkrümel. Oh nein - so geht das nicht. Und die vordere Lampe am Fahrrad funktioniert schon seit drei Monaten nicht. Kein guter Zustand. Wenn mich heute Abend die Polizei erwischt ... Plötzlich fange ich auch an, meine T-Shirts zu bügeln, die sonst immer von der Leine direkt im Schrank gelandet sind. Oder Blumen umzutopfen, gesetzt dem Fall, man hat welche. Oder den Herd zu schrubben. Oder, oder, oder. Alles ist besser als lernen.Der Herd müsste mal wieder geschrubbt werden.Nur leider läuft die Zeit trotzdem weiter. Statt Tabletten mit Ginseng sollte man lieber Kapseln gegen Aufschieberitis erfinden. Die Pharmakonzerne würden sicher ein Mordsgeschäft damit machen. Wie auch immer. Irgendwann hat man schließlich keine Wahl mehr, wenn man die Prüfungen nicht völlig versauen will. Also Augen zu und durch. Sind ja nur ein paar Wochen. Und der Lohn für die Anstrengungen winkt schon in naher Ferne: zweieinhalb Monate Semesterferien. Und endlich Zeit für all die schönen Dinge, auf die man in den letzten Wochen verzichten musste. Aber verbringt eure freien Tage nicht damit euch gute Vorsätze auszudenken. „Mit dir wird das eh nix".
In diesem Sinne: Viel Erfolg für die Prüfungen.
Karla
Sarah Seitz heißt eigentlich Karla Kolumna, sieht in Wahrheit hübscher aus als auf den Benjamin-Blümchen-Kassenttencovern und war der Meinung, dass WOOLING.NET eine Kolumne braucht. Jetzt darf sie selbst ran. Ist ihre eigene Schuld. Und weil ihr nichts besseres einfiel, schreibt sie eben hier immer freitags und immer alle zwei Wochen übers Uni-Leben. Live aus Leipzig wenigstens.
Fotos: Photocase - luxuz::., emoji
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