Ein Schluck Campus Cocktail für alle, die mal vom Uni-Leben kosten wollen. Die Kolumne: Immer Freitags alle zwei Wochen. Und immer mit Karla Kolumna.
Freitag - Für viele Studenten zählt dieser Tag schon zum Wochenende. Dafür müssen aber ein paar moralische Hürden überwunden werden. Heute im Campus Cocktail: Wie man mit Neidern umgeht und seinen freien Tag trotzdem genießt.
A
cht Uhr morgens - völlig übermüdet rollt man aus dem Bett, noch etwas geschädigt von drei Tequila zu viel und einer definitiv zu kurzen Nacht. Schnell ein türkischer Kaffee, beim Bäcker ein Croissant auf die Hand und dann ab in die Uni. Bei der Frage nach der Anwesenheit noch ein brummendes „Mmhh" von sich geben und weiter schlafen - Wahrscheinlich ein Morgen, wie ihn viele Studenten erleben.
Nur freitags - da ist alles ganz anders. Statt schrillem Wecker: himmlische Ruhe. Und das hastig rein gefressene Croissant wird gegen elf durch ein ausgedehntes Frühstück auf dem Balkon ersetzt. Tja - Student muss man sein, denn der durchschnittliche Hochschüler hat freitags frei. Freitags, da ist alles andersZumindest ist der freie Freitag unter Bachelor-Studenten ein weit verbreitetes Phänomen. Schließlich müssen wir ja den ach so hoch gehaltenen Workload, der uns mit allerlei Lektüre und Schreibarbeit aufs Auge gedrückt wird, irgendwie schaffen. Netter Plan von den Dozenten - kümmert die meisten Studis aber herzlich wenig. Stattdessen lieber besagtes Frühstück oder eine Runde faulenzen in der Sonne.
Thanks god, it's Friday!
So beginnt mein Freitag zuweilen mit Cappuccino und Kaffeeklatsch mit Freunden, gemütlichem Schaufensterbummel danach und später vielleicht einem kurzen Gang durch die Bibliothek. Viel vom Uni-Alltag merkt man an so einem Freitag nicht. Ob man sich diesen entspannten und unbeschwerten Tag in der Woche nun verdient hat oder nicht, ist wahrscheinlich eine Sache der Perspektive. Ich für meinen Teil musste schon öfter mal einen abfälligen Blick und ein leicht verstörtes „Du frühstückst jetzt erst?" über mich ergehen lassen, als meine Mitbewohnerin nach sechs Stunden Vorlesungsmarathon in die WG kommt und mich gegen 14 Uhr mit aufgeklappter Zeitung seelenruhig am Küchentisch vorfindet. Bachelor-Studis studieren doch gar nicht richtigIn der Veterinärmedizin weht da scheinbar ein anderer Wind. Die haben ja auch noch Staatsexamen und verständlicherweise nicht viel für den freien Bachelor-Freitag übrig. „Die studieren ja gar nicht richtig und sind faul", höre ich da ab und zu. Ein Fünkchen Neid in der Stimme können dabei aber die Wenigsten verbergen.
Sogar in einschlägigen Studentenverzeichnissen haben die Studis mit verlängertem Wochenende schon ihre Lobby gefunden und freuen sich im Kollektiv über ihren freien Tag. „Hat die Uni freitags auf?" fragen sie sich zu Recht und zählen in ihrer Gruppe derzeit 3 739 Mitglieder. Mal ganz abgesehen von zahlreichen ähnlich lautenden Gruppen oder selbst Steigerungen wie „Hat die Uni montags und freitags auf?". Bei so viel öffentlicher Frechheit sind da natürlich auch die Neider schnell auf den Plan gerufen und gründen fleißig Gegengruppen. So ziehen die verächtlichen Blicke auf das verspätete Frühstück auch im virtuellen Studentenleben ihre Kreise.
Wer dabei in Selbstzweifel gerät oder gar ein schlechtes Gewissen bekommt, braucht sich nur eine Frage zu stellen: Was ist schlimmer? Ein paar komische Bemerkungen oder ein voll gestopfter Uni-Freitag?
Für mich ist die Antwort jedenfalls klar. In diesem Sinne also: Auf in den Freitag und viva la dolce vita.
Sarah Seitz heißt eigentlich Karla Kolumna, sieht in Wahrheit hübscher aus als auf den Benjamin-Blümchen-Kassenttencovern und war der Meinung, dass WOOLING.NET eine Kolumne braucht. Jetzt darf sie selbst ran. Ist ihre eigene Schuld. Und weil ihr nichts besseres einfiel, schreibt sie eben hier immer freitags und immer alle zwei Wochen übers Uni-Leben. Live aus Leipzig wenigstens.
Foto: Aboutpixel - Pelztierchen
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